Wie alles begann

sehr still und leise lebte ich.

Stumm geworden hatte ich mich zurück gezogen in meine eigene Welt. Es war eine geheimnisvolle und erstaunliche Welt voller Geschichten.

Bücher verschlang ich und eigene Geschichten fand ich beim Beobachten der Welt aus dem Schatten heraus.

Um mich auszudrücken und an der Welt teil zu haben tat ich das, was mir von der Natur geschenkt worden war und was ich liebte.

Ich tanzte und tanzte um mir selber nicht verloren zu gehen!
Ich tanzte um mein Leben und ich forschte und staunte, was alles mit meinem Körper möglich ist.

Menschen und Tiere verstand ich wortlos, Musik spürte ich im Körper und Lebendigkeit konnte ich am klarsten fühlen, wenn ich tanzte.

Ich war 28 Jahre alt und Tänzerin geworden.

Dann hat mich das Leben gerufen.
Nicht mein eigenes, sondern das eines kleinen Jungen, der mich als Mutter brauchte im Hier und Jetzt und mit beiden Füßen auf der Erde.

Als Tänzerin lebte und arbeitete ich Nachts; tagsüber träumte ich und flog durch meine eigenen Welten.

Ich bekam die Möglichkeit in einer Tanztheaterproduktion für Kinder mit zu wirken. Damit hatte ich die Möglichkeit, tagsüber zu arbeiten. Der Haken an der Sache war, dass ich sprechen sollte.

Damit fing es an.

Ich sprang über viele Schatten, überlistete meine inneren Schweinehunde, die alle mehrere Köpfe hatten und ich begann damit mich vor Menschen hin zu stellen und hörbar zu werden. Manchmal sang ich sogar.

Zunächst erhob ich meine Stimme hauptsächlich vor wunderschönen kleinen und klaren Menschen, den Kindern. Das tue ich heute noch manchmal. 🙂

Für Erwachsenen hatte ich zu sprechen begonnen indem ich Tai Chi- und Tanz- Kurse  gab.

Ich begann zu singen und mich mit Stimmbildung zu befassen, dabei las immer noch wie eine Besessene und stolperte dabei eines Tages über eine Geschichte, ein Märchen, das mich faszinierte.

Es war eine Liebesgeschichte aus dem Lande der Inuit.

Sie begann in einer weißen, weiten Landschaft und der Beschreibung jener eisigen Kälte, die sogar das gesprochene Wort an den Lippen gefrieren lässt.

Diese Geschichte gab mir den Anstoß. Sie wollte, sie musste unbedingt erzählt werden.

Damals begann ich damit, Geschichten die mich berühren für Erwachsene zu erzählen und Bilder lebendig werden zu lassen.

Viele Jahre lang habe ich ausschließlich Geschichten erzählt, die ich gehört, gelesen oder gefunden habe.

Meine Liebe zur Literatur hat mich dahin geführt, unterschiedliche Tanz & Literaturprogramme zu kreieren.
Eine wundervolle Spur dabei war „Freigelassene Worte“ ein Programm mit Texten von Wolfgang Borchert für eine Tänzerin und einen Bassisten.  Daneben ist das thematisch orientierte Literaturprogramm „Wir haben Nichts als diesen Moment“ entstanden und eine tänzerische Annäherung an „Maria Magdalena“.

Die mutigste Tat ist es, immer das zu sagen, was ist.
Rosa Luxemburg

Meine ganz eigenen Geschichten aus meinen ganz eigenen Welten bewahrte ich gut verstaut in Heften und Schubladen auf, bis ich Anfang diesen Jahres „zufällig“ auf eine Business Story Telling Gruppe gestoßen bin, die mir den Anstoß gegeben hat, einige davon zu veröffentlichen und mich nach einer „Pause“ wieder verstärkt der Kunst zuzuwenden. Danke an Mark Oswald.